Die größten Fehler der Anleger

Heute weiß man: Die Psychologie spielt ein große Rolle an den Märkten – der zugehörige Fachbegriff wird mit “Behavioral Finance” bezeichnet.
Ob es sich um Spekulationsblase beim Handel mit Tulpenzwiebeln im Holland des 18. Jahrhunderts oder die Übertreibungen bei Internet-Aktien in den 1990er Jahren handelt – es gibt keinen Engpass an Beispielen irrationaler Anleger!

Die Psychologie auf der individuellen Ebene der Anleger verursacht Fehler im Anlageverhalten. Hier die fatalsten Fehler der Anleger.

  1. Gar nicht investieren - so denken die meisten: bevor ich etwas falsch mache, lasse ich lieber mein Geld mit fast 0 Zinsen auf dem Tagesgeldkonto. Was Sie nicht wissen: ab einer Anlagedauer von 10 Jahren in Aktien liegt die Wahrscheinlichkeit Gewinne zu machen bei 95 %! In den heutigen Zeiten ist es risikoreicher kein Risiko einzugehen. Steuern und Inflation führen auf dem Tagesgeld zur Vermögensvernichtung - mit Garantie.
  2. Sich zu überschätzen – Odean und sein Kollege Brad Barber untersuchten über die Jahre 1991-1996 das Anlageverhalten von 66.000 Haushalten. Die aktiven Händler unter ihnen erzielten eine Jährliche Rendite von 11,4%. Diejenigen, die nach der Methode “Kaufen und schlafen legen” agierten, kamen mit einem Zugewinn von 18,5% deutlich besser weg. Beim Autofahren denken rund 90% von uns, dass wir überdurchschnittlich gute Fahrer sind, was offensichtlich nicht stimmen kann. An der Börse ist es nicht anders. Wir denken, dass wir fähiger und klüger sind als es wirklich der Fall ist.
  3. Jüngste Trends über zu bewerten – “Unsere Erwartungen an die Zukunft fußen leider zu oft auf der jüngeren Vergangenheit, gerade an der Börse” konstatiert der auf Börsenpsychologie spezialisierte Experte Joachim Goldberg. Eine Studie von Fidelity zeigt die extreme Schwankungsanfälligkeit von “Mode-Industrien”. Für Anleger, die verstärkt auf populäre Branchen setzen, gilt folgendes Fazit: Wer zuviel in Themen investiert, steigert meist nur sein Verlustrisiko!
  4. Gier sorgt für Risikoausblendung – Maßgeblich für die Anlageentscheidung ist vornehmlich die in Aussicht gestellte Rendite. Vergangenheitswerte werden schlicht in die Zukunft fortgeschrieben. Kennzahlen, die das einhergehende Risiko beschreiben, finden kaum Beachtung. Der besonnene Anleger sollte bei der Anlageentscheidung die Gewichtung nach dem Risiko vornehmen.
  5. Zu häufiges Umschichten – “Die Aktien, die Privatanleger kaufen, schneiden nach unseren Untersuchungen im Nachhinein schlechter ab als jene, die sie verkaufen” so ein Professor aus dem kalifornischen Berkeley. Auch hier gilt das Ergebnis von Odean und seinem Kollegen Brad Barber, die über die Jahre 1991-1996 das Anlageverhalten von 66.000 Haushalten untersuchten. Die aktiven Händler unter ihnen erzielten eine jährliche Rendite von 11,4%. Diejenigen, die nach der Methode “Kaufen und schlafen legen” agierten, kamen mit einem Zugewinn von 18,5% deutlich besser weg. Zu häufiges Umschichten verursacht zudem hohe Transaktionskosten. Selbst ohne die Transaktionskosten schnitten die so genannten Powertrader schlechter ab – also ihre Kaufentscheidungen meist fehlgeleitet waren.
  6. Zuviel Heimatliebe – Die Schuhe aus Italien, das Auto aus Asien und Urlaub in Kalifornien. Aber bei der Auswahl der Wertpapiere kommt in den meisten Fällen zuviel deutsche Kost ins Depot – im Durchschnitt knapp 40%. Der Anteil ist eindeutig zu hoch. Ein kleiner Trost: Ausländische Investoren verhalten sich nicht anders. Das Verhalten heißt übrigens im Fachjargon “Home Bias”. Gemessen am Wert der 26 weltweit größten Anteilsmärkte kommen deutsche AGs nur auf eine Mini-Proportion von 3 % und sollten deshalb nicht 40% im Depot ausmachen.
  7. An Fehlkäufen festzuhalten – Laut Studien trennen sich Anleger eher von Gewinner- als von Verliereraktien. Anleger tendieren dazu, sich nicht gerne Fehlentscheidungen selbst gegenüber einzugestehen. Über Bord geworfen wird das unrühmliche Engagement deshalb aber längst nicht. Im Gegenteil: Depotleichen treiben, meist über Jahre hinweg, ihr Unwesen.
  8. Schlechte Streuung – Das Unvermögen, sich von den schlecht gelaufenen Aktien zu trennen, macht viele Anleger unfreiwillig zu Sammlern. Nach wenigen Jahren herrscht daher in vielen Depots ein heilloses Durcheinander. Die Tatsache der modernen Portfoliolehre, das Renditerisiko geplant zu verteilen, wird damit falsch interpretiert oder vielerorts einfach nicht richtig verstanden. Die “naive” Streuung ist zwar besser als keine Streuung, bring aber nicht die gewünschten Effekte.
  9. Hang zur Hektik – Da heute Kursdaten in Echtzeit zur Verfügung stehen, besteht die Gefahr bei jeder Kursbewegung vorschnell zu reagieren. Rauschen die Notierungen auf breiter Front nach unten, macht sich rasch Panik breit. Doch auf Zehnjahresfrist gesehen ist der schockartige Kollaps nicht mehr als ein Ausrutscher.